Venedig, oh du Schöne!

© alexentdecktdiewelt.wordpress.com

Ich liebe Italien, doch bisher habe ich immer nur auf Sizilien Urlaub gemacht. Dieses Jahr habe ich es auch endlich mal nach Norditalien geschafft: Monsieur Watson und mich hatte es im Mai eine Woche nach Venedig verschlagen. Um dem Trubel und den saftigen Preisen im Zentrum zu entgehen, hatten wir uns bei Bruno eine kleine Ferienwohnung im Vorort Favaro Veneto gemietet. Vom Flughafen bis zu unserer Schlafstätte waren es nur rund 15 Minuten Busfahrt. In Favaro Veneto findet man alles, was das Herz begehrt: Supermärkte, eine preisgekrönte Pizzaria (die Pizzen sind dort wirklich sehr lecker), Cafés, Bars, Restaurants und Eisdielen.

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Auf keinen Fall sollte man eine der zahlreichen Pasticcerien verpassen und sich wenigstens einmal durch das Angebot probieren, denn in den kleinen Läden, vielleicht am ehesten mit unseren Bäckereien und Konditoreien zu vergleichen, gibt es dolci in Hülle und Fülle. Man kann sich kaum zwischen Cornetti mit crema pasticcera, Bigne Cioccolato und Sfogliatelle Napoletane entscheiden. Ich muss sagen, sie schmecken mir fast alle gleich gut, nur Babà al rhum kann ich nichts abgewinnen. Das ist mir dann doch ein wenig zu viel Rum. In die meisten anderen dolci könnte ich mich dagegen reinlegen.

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Bereits in Favaro Veneto erfüllte mich ein kleines Glücksgefühl und ich war mehr als gespannt auf Venedig. Mit dem Bus ging es innerhalb von 20 Minuten hinein ins Zentrum. Die Fahrkarte kostet für einen Weg nur 1,30 € — da frage ich mich, wieso in Deutschland Bus und Bahn fahren so teuer ist. In Italien und anderen Ländern scheint der öffentliche Nahverkehr außerdem ein wenig moderner zu sein: Statt die Fahrkarten abzustempeln (und zu hoffen, dass der Kasten auch funktioniert und noch genug Tinte hat), ist in der Karte ein Chip integriert, den man nur vor dem Automaten einscannen muss. Ein toller Tipp: Für alle, die 29 Jahre und jünger sind, gibt es an der Touristeninformation die Rolling Venice Card zu kaufen. Für einmalig 4 € erhält man anschließend das 72-Stunden-Ticket für nur 18 € statt 35 €. Zusätzlich gibt es noch Rabatt bei bestimmten Sehenswürdigkeiten, z. B. dem Dogenpalast. Die Karte lohnt sich wirklich, denn eine Einzelfahrt (Gültigkeit 60 Minuten) mit dem Vaporetto kostet 7 €. Wo wir gerade beim Vaporetto sind: Die Boote sind quasi Busse auf den Kanälen. Sie halten an fast allen Sehenswürdigkeiten und fahren, je nach Linie, ungefähr alle 10 Minuten. Auch die verschiedenen Nachbarinseln, u. a. Murano und Burano, werden von ihnen angesteuert. Vom Deck des Vaporettos aus hat man einen wundervollen Blick auf den Canal Grande. Besonders wenn sich die Sonne auf dem Wasser bricht, möchte man gar nicht mehr aussteigen.

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Natürlich haben wir auch fast alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert, die üblicherweise in den gängigen Stadtführern gelobt werden: Dogenpalast, Campanile, Markusplatz mit Dom, Rialtobrücke, … Ich habe schon oft erlebt, dass die angepriesenen „kulturellen Höhepunkt“ sich im Endeffekt als wenig spektakulär erweisen. Doch in Venedig lohnt sich ausnahmsweise einmal das Schlangestehen. Vom Dach des Campanile kann man über ganz Venedig schauen, der komplex angelegte Dogenpalast, in dem man Stunden verbringen kann, ist einfach nur eindrucksvoll. Bereits der Gang durch die kleinen Gässchen hin zur Sehenswürdigkeit macht Lust auf mehr. Da es in den Gassen sehr schnell recht eng werden kann, besonders bei Regen und am Wochenende, empfiehlt es sich, Venedig nicht in den Sommermonaten aufzusuchen. Zwischendurch haben wir zur Abwechslung auch mal die weniger überlaufenen Stadtteile durchstreift und haben im alten Ghettoviertel — in Venedig entstand im Mittelalter das erste jüdische Ghetto überhaupt — koscheres Gebäck probiert.

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Mit dem Vaporetto ging es einen Vormittag hinaus zur Inselgruppe Murano. Hier wird Glaskunst in Perfektion präsentiert; im Kern von Murano wird bereits seit über 1000 Jahren Glas hergestellt. Die Arbeiter waren schon im frühen Mittelalter für ihre filigranen Produkte weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Den Glasbläsern war es verboten Murano zu verlassen, ansonsten drohte ihnen der Tod. Die Stadthalter hatten Angst, dass die Glasbläser Geheimnisse an Außenstehende verraten und Murano seinen Status als Glasbläserstadt verlieren könnte. Auch heute noch verkauft ein Laden nach dem anderen alles, was sich aus Glas herstellen lässt: Schmuck, Figuren, Tortenheber und noch vieles mehr. Nebenbei entdeckt man aber auch solche Kunstwerke wie auf dem Foto.

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Für nur 5,70 € gelangt man per Bahn vom Bahnhof in Mestre (von Favaro Veneto ganz einfach mit der Tram zu erreichen) nach Padua. Die Universitätsstadt gilt als eine der ältesten Städte Italiens. Leider fehlt es Padua ein wenig an Charme. Das können auch nicht der unter dem Schutz der UNESCO stehende Botanische Garten, die Basilika des Heiligen Antonius inklusive Grabmal oder die Universität im Palazzo del Bo, die wir leider nur spärlich von aussen besichtigen konnten, wieder wettmachen. Ich kann gar nicht sagen, woran es gelegen hat, dass ich Padua ein wenig langweilig fand. Vielleicht hatte ich mir von solch einer alten Stadt einfach mehr versprochen.

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Auf die Enttäuschung am Vortag folgte ein weiteres Highlight der Venedigreise: Verona. Ebenfalls mit dem Zug leicht zu erreichen, empfängt einen die literarische Heimat von „Romeo und Julia“ mit allerlei wunderschönen und eindrucksvollen Gebäuden. Als wäre das nicht genug, steht mitten in der Innenstadt das relativ gut erhaltene Amphitheater, das heute vor allem für Konzerte und Aufführungen genutzt wird. Das muss bestimmt ein aufregendes Erlebnis sein! Nur ein paar Meter weiter sticht einem das wunderschöne Castelvecchio sowie die Ponte Scaligero ins Auge. Hier kann man ganz gemütlich entlang der Mauern flanieren und auf einer der Bänke dem geschäftigen Treiben zuschauen. Weiter geht es in nur wenigen Minuten zur beeindruckenden Piazza delle Erbe und zur Casa di Giulietta, die nicht zuletzt durch den Film „Briefe an Julia“ bekannt geworden ist. Die kleine Seitengasse ist dementsprechend überlaufen von Touristen. die sich mit der Julia-Statue fotografieren lassen wollen und an den Wänden Botschaften für ihre Liebsten hinterlassen.

Alles in allem ein wunderschöner Venedigurlaub. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Befürchtungen nicht bewahrheiten, dass Venedig irgendwann einmal untergehen wird.

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5 Gedanken zu “Venedig, oh du Schöne!

  1. Ohh, Venedig ist bei uns nächsten Frühling an der Reihe! Ich will unbedingt eine Gondelfahrt mitmachen und einmal im Caffè Florian einkehren. Vielen Dank für deinen schönen Beitrag, ich werde sicher während meiner Planung noch einmal auf ihn zurückkommen.

    Jetzt war ich so neugierig auf deine Life List, aber ich hab sie leider nicht gefunden. 😉

    Danke auch für deinen Kommentar, und dass du mir folgst.

    • Da hätte ich direkt noch einen Tipp für dich, falls dir die Gondelfahrt zu teuer sein sollte: Man kann auch mit dem Traghetto über den Canal Grande setzen. Die Fahrt dauert vielleicht nur max. 2 Minuten, kostet dafür nur 2 oder 3 Euro und man kann nachher behaupten, mal in ner Gondeln gestanden zu haben. So haben wir es zumindest gemacht 😉

      Das Caffè Florian haben wir ausgelassen, da die Preise ja schon recht exorbitant sind und man ja für die Streicher extra zahlen muss. Dafür hast du dann aber bestimmt einen schönen Ausblick auf den Markusplatz und das ganze Drumherum.

      Die Liste konntest du gar nicht finden, da ich sie nicht öffentlicht publiziert habe. Aber ich kann dir verraten, dass dort u. a. Safari machen, Weltwunder besichtigen, mit dem Orientexpress fahren und einen Pullover stricken draufstehen.

      • Ich habe die Privat-Gondelfahrt (naja gut, Superman darf mit 😉 ) schon fest auf die Liste geschrieben. Die ist zwar ziemlich teuer, aber das gönne ich mir einfach, genauso wie einen Kaffee im Florian, ich bin Kaffeejunkie und kehre gerne überall in einem hübschen Kaffeehaus ein. Da MUSS ich das erste westliche Kaffehaus ja quasi mitnehmen, bleibt mir gar nichts anderes übrig. 🙂 Das ist eine Marotte von mir, glaube ich. Wie lange wart ihr denn in Venedig?

      • Als Kaffeejunkie darfst du dir das Florian dann natürlich nicht entgehen lassen 😉

        Wir waren sieben Tage da, je einen Tag davon haben wir in Padua und Verona verbracht. So hatten wir genug Zeit, um uns in Ruhe Venedig anzuschauen und mussten nicht alles auf ein Wochenende quetschen. Außerdem war es nicht schlimm, dass uns ein halber Tag flöten ging (es hatte so stark geregnet, dass der Markusplatz überflutet war und die Fahrt mit dem Vaporetto eingeschränkt wurde).

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