Kritik: „Brooklyn Nine-Nine“

Abends sind wir aktuell ziemlich geschafft. Da durstet es einem nach mehrstündigem Wickeln, Stillen, Umhertragen, Bespaßen, Trösten und Kuscheln eher nach leichter Kost als nach tiefgründigem Drama. Da kam es uns in den letzten Tagen gerade recht, dass Netflix vor Kurzem die 1. Staffel von „Brooklyn Nine-Nine“ ins Programm aufgenommen hat. Die Comedy rund um das Team des 99. Reviers darf man nicht allzu ernst nehmen, die Aufklärung der einzelnen Fälle ist nur Nebensache. Vielmehr ist Gehirn ausschalten und Spaß haben angesagt. „Brooklyn Nine-Nine“ besticht vor allem durch den spielfreudigen Cast und die grundverschiedenen Charaktere. Da wären der kindische Jake Peralta, die strebsame, öfter ins Fettnäpfchen tretende Amy Santiago, der liebevolle, leicht cholerische Terry Jeffords, die agressiv wirkende Rosa Diaz, der tollpatschige Charles Boyle, die neugierige und arbeitsscheue Assistentin Gina Linetti sowie Captain Raimond Holt, bei dem man aufgrund seiner immer gleichen Mimik nie weiß, ob er gerade sauer oder belustigt ist.

Vom Stil her erinnert „Brooklyn Nine-Nine“ aufgrund der zahlreichen Rückblenden, der durchgeknallten Ideen und abgedrehten Einlagen („Boyle-Bingo“)  sowie der visualisierten Gedanken ein wenig an „30 Rock“ oder „Scrubs“. Ernstere Töne, wie sie manchmal bei „Scrubs“ vorkommen, versucht man jedoch vergebens. Hier ist alles auf absurde Komik ausgelegt. Warum auch nicht? Aktuell läuft „Brooklyn Nine-Nine“ freitags um 21.10 Uhr auf RTL Nitro.

Kritik: „A Young Doctor’s Notebook“

Heute gibt es etwas für den schnellen Genuss. Doch dieses Mal nicht in kulinarischer, sondern in kultureller Hinsicht. Die erste Staffel von „A Young Doctor’s Notebook“ umfasst gerade einmal 4 Folgen à 25 Minuten. Die knapp 2 Stunden haben mir dennoch mehr Freude bereitet als so manche Staffel, die 20 und mehr Folgen aufweist.

Im Mittelpunkt steht Vladimir Bomgard (Daniel Radcliffe, „Harry Potter“), der 1917 erfolgreich sein Medizinstudium absolviert hat und nun in die niederste russische Provinz versetzt wird. Schnell stellt er fest, dass er in Moskau zwar Studienprimus war, Theorie hier jedoch nicht gefragt ist. So flüchtet er zum Beispiel unter fadenscheinigen Ausreden vor einer Beinamputation und versucht noch schnell, sich entsprechendes Wissen in den Büchern seines Vorgängers, dem ehrwürdigen Leopold Leopoldowisch, anzulesen, bevor er den ersten Schnitt ansetzt. Gut, dass ihm in so mancher Situation sein älteres Ich (Jon Hamm, „Mad Men“) zur Seite steht. Dieses hat jedoch oft genug mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Das Aufeinandertreffen der beiden Charaktere, die eigentlich ein und diesselbe Person darstellen, macht den besonderen Reiz der Serie aus. Das Zusammenspiel zwischen Radcliffe und Hamm, die sichtlich Spaß an ihren Rollen haben, ist perfekt und legt den Grundstein für den genrell heiteren Ton der Serie.

Zeitweilig erscheinen einige Szenen angesichts der reduzierten Arbeitsmittel, die Bomgard zu der Zeit zur Verfügung stehen, ein wenig blutrünstig. Das ist im nächsten Moment direkt wieder vergessen, wenn Bomgard das nächste Malheur passiert oder er sich seiner Abgeschiedenheit und seiner eigenwilligen Kollegen bewusst wird. Einigen Zuschauern könnte die Serie ein wenig zu hektisch sein, mir hat die straffe und zügige Erzählweise sowie das locker-leichte Schauspiel der beiden Darsteller sehr gut gefallen.

Kritik: „The Returned“

Vor einiger Zeit ist auf WDR/Einsfestival die erste Staffel der französischen Serie „The Returned“ (Original: Les Revenants), die durch ihre verstörende Atmosphäre, die kühlen Bilder und den einzigartigen Soundtrack besticht, zu Ende gegangen. Das Staffelende hat mich mit mehr Fragen als Antworten zurückgelassen. Doch zu Beginn möchte ich kurz den Inhalt erzählen, falls jemandem die Serie nichts sagt (Vorsicht Spoiler):

Camille taucht eines Tages völlig unerwartet in einem französischen Bergdorf auf. Dies wäre nicht weiter ungewöhnlich, wenn sie nicht vor einigen Jahren bei einem Busunglück umgekommen wäre. Sie kann sich jedoch nicht daran erinnern, dass sie gestorben ist.  Camilles Eltern sowie ihre Zwillingsschwester Léna sind entsprechend geschockt über ihre Rückkehr und wissen nicht so genau, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Doch Camille ist nicht die Einzige, die aus dem Reich der Toten zurückkehrt (im Gegensatz zu „The Walking Dead“ nicht in Form von Zombies, sondern in Menschengestalt). Auch Simon, der kurz vor der Hochzeit mit Adèle stand, Madame Costa, deren genauen Todesumstände nicht bekannt sind, Serge, ein Serienkiller, und Victor, der als Kind während eines Einbruchs in sein Elternhaus erschossen wurde, sind plötzlich wieder da. Sie sind alle zu verschiedenen Zeiten gestorben. Jeder kommt in dem Alter wieder, in dem er sein Leben verloren hat. Es stellt sich die Frage, warum ausgerechnet diese Personen von den Toten auferstanden sind und warum. Beide Fragen werden in dieser Staffel jedoch nicht eindeutig geklärt.

Zwar wurde „The Returned“ bereits im Jahr 2012 gedreht, doch dieses Mal ist es nicht allzu tragisch, dass es so lange gedauert hat, bis die Serie im deutschen TV zu sehen war. Da die Schauspieler allesamt sehr beschäftigt waren/sind, wurde erst vor wenigen Monaten mit den Dreharbeiten zur zweiten Staffel begonnen. Demenstprechend ist die Wartezeit für uns nicht übermäßig lang, für die französischen Zuschauer hingegen schon. Ich bin gespannt, da ich hoffe, dass folgende Fragen beantwortet werden:

  1. Was hat es mit den Narben auf sich? Sollen sie andeuten, dass die Rückkehrer sich langsam wieder dem Tod annähern? Stammt Lènas Narbe wirklich von einer Auseinandersetzung mit ihren Vater oder spielt auch in diesem Fall die Zwillingsverbundenheit eine wichtige Rolle?
  2. Hat sich Simon wirklich das Leben genommen? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er nicht freiwillig aus dem Leben geschieden ist.
  3. Wovor hatten die Tiere derartige Angst, dass sie freiwllig ins Wasser gegangen sind? Vor der Meute?
  4. Was hat es zu bedeuten, dass die Meute nicht auch die Auslieferung Serges‘ verlangt hat? Zählt er für sie nicht zu den Toten?
  5. Wie ist Madame Costa gestorben?
  6. Was hat es mit dem Absinken des Wasserspiegels und dem Bruch des Staudammes auf sich?
  7. Warum können die Bewohner nicht aus der Stadt fliehen?
  8. War Victor schon vor den anderen da? Wieso ist er so besonders?

Ihr seht, Fragen über Fragen…

Kritik: „Downton Abbey“

Mit Erschrecken musste ich im Internet lesen, dass die Einschaltquoten von „Downton Abbey“, das derzeit bei ZDF ausgestrahlt wird (samtags gegen 13.50) entgegen aller Erwartungen und Hoffnungen sehr gering ausfallen.  Völlig zu Unrecht! Die britische Adelsserie unterhält auf hohem Niveau, angefangen bei den Requisiten über die Kostüme hin zu den vortrefflich ausgewählten Schauspielern. Mag es daran liegen, das der Sendetermin ungünstig gewählt, die Serie zu wenig beworben oder Serienjunkies sie eh schon im Originalton gesehen haben? Ich weiß es nicht.

Im Mittelpunkt stehen die Familien Grantham und Crawley sowie deren Hausangestellte. Die Serie spielt in den 1910/20-er-Jahren. Neben reichlich Dramatik (drohender Bankrott, Ausbruch des 1. Weltkriegs, Todesfälle in der Familie) kommt die Komik nicht zu kurz. Es macht einfach Spaß mitanzusehen, wie mit Erstaunen und Argwohn auf elektrisches Licht reagiert oder die richtige Beantwortung eines Telefongesprächs geübt wird, britische Höflichkeit inklusive. Für Lacher sorgt vor allem Maggie Smith, die in ihrer Rolle als Dowager Countess of Grantham für den nötigen Sarkasmus sorgt. Oft reicht hierfür schon ein einziger Satz aus.

Weitaus mehr als die Geschichten der adligen Herrschaft interessieren die Probleme und Beziehungen der Angestellten. Bates und seine spätere Frau Anna habe ich wegen ihrer Herzlichkeit direkt ins Herz geschlossen. Auch wenn Thomas und O’Brien in den vergangenen Folgen die ein oder andere Gemeinheit ausgeheckt haben, war ich doch traurig, als mit Shiobhan Finneran nach der 3. Staffel die Figur O‘ Brien verschwand. Schließlich sind Serien, in denen nur Friede-Freude-Eierkuchen herrrscht langweilig, oder? Zum Glück ist uns Thomas erhalten geblieben…

Kritik: „30 Rock“

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© alexentdecktdiewelt.wordpress.com

Ich habe für euch wieder eine Serienperle ausgegraben: „30 Rock“. Die von Tina Fey entwickelte Comedyserie — wie sollte es in Deutschland auch anders sein — wurde damals im Nachtprogramm versendet. Dieses Mal bei ZDF Neo. Dort erreichte sie am Premierentag eine sensationelle Einschaltquote von 0,0 Prozent. Mit 5000 Zuschauern lag sie unter dem Messbereich. Kein Wunder, wurde doch kaum Werbung für diese wunderbare Serie gemacht, die ich mir ausschließlich im Originalton angeschaut habe, da bei Comedyserien durch die Übersetzung meist einige Witze verloren gehen (ist mir besonders bei „Friends“ aufgefallen).

Wer absurde Comedy à la „Scrubs“ inklusive zahlreichen Rückblenden liebt, ist bei „30 Rock“ genau richtig. Man darf die Serie und die Geschichten nicht allzu ernst nehmen. Stattdessen sollte man sich entspannt zurücklehnen und einfach Spaß haben. Die Serie spielt hinter den Kulissen einer fiktiven Sketchsendung, die auf NBC ausgestrahlt wird. Im Mittelpunkt stehen die chaotische Chefautorin Liz Lemon (Tina Fey), die sich mit ihren exzentrischen Hauptdarstellern Jenna Maroney (Jane Krakowski) und Tracy Morgan (Tracy Jordan) herumschlagen muss. Rat (nicht nur bei beruflichen, sondern auch regelmäßig bei persönlichen Problemen) sucht sie immer wieder bei ihrem Boss Jack Donaghy (Alec Baldwin), der sich selbst als Liz‘ persönlicher Mentor empfindet und quasi seine Lebensaufgabe darin sieht, sie mit seinen Ratschlägen durchs Leben zu leiten. Man mag vom Privatmenschen Alec Baldwin mit seinen Wutausbrüchen halten was man möchte, die Rolle des selbstbewussten, von sich überzeugten und seiner Meinung nach unschlagbaren Networkchef ist wie für ihn gemacht.

Der Charakter Liz Lemon mit all seinen Problemen ist so herrlich normal, dass ich mich manchmal darin wiederfinde. Außerdem mal schön zu sehen, dass nicht wie so oft eine Zwanzigjährige im Fokus steht. Nicht vergessen darf man den stets liebenswürdigen und naiven Pagen Kenneth und all die anderen Sidekicks mit ihren Macken, die die Serie so sehenswert machen.

Kritik: „Veronica Mars“

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Immer wenn ich von der hervorragenden Serie „Veronica Mars“ mit Kristen Bell erzähle, blicke ich häufig in fragende Gesichter. Kein Wunder, hatte es das ZDF doch mal wieder geschafft, die Serie im Nachtprogramm zu versenden. Ich bin auf die Serie auch erst vor einigen Jahren durch meine geliebte Serienjunkies-Seite aufmerksam geworden. Inzwischen habe ich auch die Törtchentante mit meiner Leidenschaft für „Veronica Mars“ angesteckt. Schade nur, dass einzig 3 Staffeln gedreht wurden. Eigentlich war noch ein weitere Staffel angedacht, nur wurde die Serie zuvor eingestellt. Dementsprechend endet die dritte Staffel auch mit vielen offenen Fragen. So vielen Fragen, dass die Serie nun reanimiert wurde — und zwar in Form eines Films. Dank Kickstarter kamen genügen Spendengelder zusammen, dass derzeit ein „Veronica Mars“-Film gedreht wird. Fast alle Schauspieler, von denen sich ein Großteil auch persönlich für den Film eingesetzt hat, ist zum Glück wieder dabei.

Worum geht es nun in „Veronica Mars“? Veronica, früher beliebtes Highschool-Mädel, nun Außenseiterin, ist die Tochter des ehemaligen Sherrifs der Stadt, der nach seiner Absetzung als Privatdetektiv arbeitet. Gleich dem Vater widmet sich Veronica ihren ganz eigenen Fällen an der Neptune High. Klingt im ersten Moment wie eine Teenieserie, ist sie aber dank des Dialogwitzes und einer ironisch aufgelegten Veronica Mars nicht. Nebenbei versucht sie auch noch den Mord an ihrer besten Freundin, der Schwester ihres Ex-Freundes, aufzuklären und herauszufinden, wer sie auf einer Party vergewaltigt hat.

„Veronica Mars“ ist spannend gemacht. Ne komplizierte Liebesgeschichte gibt es natürlich auch. Dafür herhalten muss der Bad Boy Logan Echolls, den ich sofort ins Herz geschlossen habe. Die anderen Charaktere, seien es ihr Vater Keith, ihr bester Freund Wallace, die leicht nerdige Mac oder Schulrebell Weevil, passen ebenfalls perfekt zur Serie. „Veronica Mars“ bietet eine perfekte Mischung aus Witz und Crimeelementen.

Kritik: „Luther“ (die Serie, nicht der Film)

In den vergangenen Tagen und Wochen hat mich kein Buch oder Film so wirklich überzeugt (in Zukunft muss ich wohl wieder meine Filmklassiker hervorkramen). Und da ich nicht gerne über Bücher schreibe, die ich noch nicht ausgelesen habe (derzeit sind es „The Help“ von Kathryn Stockett und „Die Frauen von Savannah“ von Beth Hoffman), gibt es heute mal wieder eine Serienvorstellung, die an manche vielleicht vorbei gegangen sein mag, weil sie vom ZDF im Nachtprogramm versteckt wurde. Die Rede ist von der genialen BBC-Serie „Luther“, in der ein fantastisch aufspielender Idris Elba („The Wire“, „Thor“) den gleichnamigen Detective mimt. Er spielt den Ermittler, der sich mit Vorliebe mit seinen Vorgesetzten anlegt und die Regeln so auslegt, wie es ihm gerade passt, mit solch einer Intensität, dass man meinen könnte, die verschiedenen Situationen seien ihm selbst schon einmal passiert. Luther ist kein ruhiger, in sich gekehrter Ermittler, der sich auf seine Kombinationsgabe verlässt wie es vielleicht Patrick Jane in „The Mentalist“ macht, sondern jemand, der sich auch schon einmal gerne von seinen Gefühlen leiten lässt.

Ihre Spannung ziehen die einzelnen Folgen nicht aus den verschiedenen Verbrechen, sondern aus den unterschiedlichen Darstellern, die hervorragend ausgesucht wurden. Daher die Serie unbedingt im Original schauen (auch wegen der einfangenden Stimme Idris Elbas)! Besonders das perfide Katz- und Mausspiel zwischen Luther und Alice Morgan (Ruth Wilson), die sich als perfekte, wenn auch psychopatische Widersacherin entpuppt, hat es in sich und fesselt einen an den Fernseher. In ihr hat Luther seinen intellektuellen Gegenpart gefunden, denn wie bereits in der 1. Folge ersichtlich wird, hat Alice ihre Eltern ermordet. Doch Luther kann ihr nichts nachweisen. Im Laufe der ersten beiden Staffeln kreuzen sich immer wieder die Wege der Beiden (auch in der aktuell in Großbritannien gelaufenen dritten Staffel soll Alice wieder eine wichtige Rolle spielen). Die Zusammentreffen sind das Highlight der ganzen Serie!