Nivea Seidenmousse Pflegedusche

Wie bereits angekündigt, folgt heute der nächste Produkttest. Nachdem wir in der Vergangenheit bereits verschiedene Deovarianten von Nivea testen durften, ist dieses Mal die neue Duschpflege in unser Haus (na gut, unsere Wohnung) geflattert. Das Seidenmousse (ich sträube mich, es wie in der Werbung mit Bindestrich zu schreiben; es werden heutzutage viel zu viele Wörter unnötig mit Bindestrich geschrieben) ist erst seit Kurzem auf dem Markt (Mai 2016). Laut begleitender Broschüre soll es bereits während des Duschens verwöhnen und eine seidige plus gepflegte Haut hinterlassen. Pro Dose werden 2,49 € veranschlagt.

Was soll ich sagen, die Pflegedusche — in unserem Fall die Variante creme care für extra seidige Haut — liegt wirklich hauchzart auf der Haut, sie ist kaum zu spüren. Sie lässt sich leicht auf dem gesamten Körper verteilen und ist im Handumdrehen wieder abgewaschen. Im ersten Moment erinnerte sie mich von der Handhabung her an Rasiergel, aber im Gegensatz zu Rasiergel liegt sie nicht schwer auf. Einzig an den Geruch musste ich mich etwas gewöhnen. Das Seidenmousse ist mit Inhaltsstoffen der Niveacreme angereichert. Eigentlich ein angenehmer Duft, aber hier hat er mich irgendwie gestört. Jetzt nehme ich den Geruch gar nicht mehr wahr.

Kritik: „Brooklyn Nine-Nine“

Abends sind wir aktuell ziemlich geschafft. Da durstet es einem nach mehrstündigem Wickeln, Stillen, Umhertragen, Bespaßen, Trösten und Kuscheln eher nach leichter Kost als nach tiefgründigem Drama. Da kam es uns in den letzten Tagen gerade recht, dass Netflix vor Kurzem die 1. Staffel von „Brooklyn Nine-Nine“ ins Programm aufgenommen hat. Die Comedy rund um das Team des 99. Reviers darf man nicht allzu ernst nehmen, die Aufklärung der einzelnen Fälle ist nur Nebensache. Vielmehr ist Gehirn ausschalten und Spaß haben angesagt. „Brooklyn Nine-Nine“ besticht vor allem durch den spielfreudigen Cast und die grundverschiedenen Charaktere. Da wären der kindische Jake Peralta, die strebsame, öfter ins Fettnäpfchen tretende Amy Santiago, der liebevolle, leicht cholerische Terry Jeffords, die agressiv wirkende Rosa Diaz, der tollpatschige Charles Boyle, die neugierige und arbeitsscheue Assistentin Gina Linetti sowie Captain Raimond Holt, bei dem man aufgrund seiner immer gleichen Mimik nie weiß, ob er gerade sauer oder belustigt ist.

Vom Stil her erinnert „Brooklyn Nine-Nine“ aufgrund der zahlreichen Rückblenden, der durchgeknallten Ideen und abgedrehten Einlagen („Boyle-Bingo“)  sowie der visualisierten Gedanken ein wenig an „30 Rock“ oder „Scrubs“. Ernstere Töne, wie sie manchmal bei „Scrubs“ vorkommen, versucht man jedoch vergebens. Hier ist alles auf absurde Komik ausgelegt. Warum auch nicht? Aktuell läuft „Brooklyn Nine-Nine“ freitags um 21.10 Uhr auf RTL Nitro.

Kritik „The Big C“

Ich muss gestehen, es hat ein paar Folgen gedauert, bis ich „The Big C“ ins Herz geschlossen habe. Ich konnte zunächst nur sehr wenig mit dem Hauptcharakter Cathy anfangen. Besonders ihre Handlungen und Entscheidungen, die sie nach der Diagnose Hautkrebs fällt, konnte und wollte ich nicht so recht nachvollziehen. Mir ist es zum Beispiel sehr schwer gefallen, Verständnis dafür aufzubringen, dass sie ihrer Familie so lange nichts von ihrer Krankheit erzählt und dadurch die gesamte Situation nur noch schlimmer gemacht hat. Aber dann hat mich diese unnachahmliche Mischung der Serie, die das Thema Krebs nicht nur von der traurigen Seite beleuchtet, sondern auch immer wieder witzige Elemente miteinbaut, in ihren Bann gezogen. Klar, die herzergreifenden Szenen überwiegen/bleiben eher in Erinnerung, besonders die Staffelfinale, lassen einen nicht kalt. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Wer Dramaserien (und hier liegt die Betonung auf Drama) generell nichts abgewinnen kann, sollte „The Big C“ dann doch lieber meiden.

Innerhalb der Serie werden immer wieder Aspekte angesprochen, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Da wäre zum Beispiel der Moment, in dem Cathys chaotischer Bruder, der zeitweise aus freien Stücken auf der Straße lebt, überlegt, seine Niere zu spenden. Wenn er schon seiner Schwester nicht helfen könne, so wolle er doch wenigstens einem anderen Menschen helfen. Dies hat mich dazu bewogen, endlich meinen Organspendeausweis auszufüllen. Oder auch Cathys Abschiedsrede an ihre Schülerinnen und Schüler enthält das eine oder andere wahre Wort. Man sollte eigentlich nur das tun, was einem am Herzen liegt. Leider lässt sich das nicht immer umsetzen. Einziger Kritikpunkt an „The Big C“: Auf die etwas wirre und nicht ganz so gelunge 3. Staffel hätte ich verzichten können. Sie passt nicht so ganz in das Gesamtbild. Die 4. Staffel lässt den kleinen Durchhänger aber zum Glück schnell wieder vergessen.

Kritik: „Ein Mann namens Ove“

Wer noch auf der Suche nach einer locker-leichten Lektüre für den Urlaub, den Strand oder dem Zubettgehen ist, dem empfehle ich „Ein Mann namens Ove“ von Fredrik Backman. Zwar wurde die Thematik „Mürrischer-alter-Mann-trifft-auf-(Ausländer)Familie-mit-Kindern-und-zeigt-seine-weiche-Seite“ in der Vergangenheit schon mehrfach aufgegriffen (z. B. in „Gran Torino“ oder „St. Vincent“), doch Backman erzählt die Story in solch einem witzigen, erfrischenden, leichtfüßigen und mitunter ironischen Ton, dass es ein Spaß ist, das Buch zu lesen. Die gesamte Zeit über verspürt man ein kleines Lächeln auf den Lippen. Zudem werden in Nebensätzen immer wieder Anmerkungen −natürlich in Form von Oves bissigen Kommentaren − über die Entwicklung der Gesellschaft eingestreut, die doch eine große Portion Wahrheit enthalten und denen ich vollkommen zustimme.

Ove hat so seine ganz eigene Vorstellung, wie man sich im Leben und vor allem in seinem Wohnviertel zu verhalten hat. Mit seinen täglichen Kontrollgängen, in deren Verlauf er sich unter anderem penibel notiert, wer zum Beispiel trotz Verbotsschild falsch geparkt hat, geht er seinen Nachbarn teilweise gehörig auf die Nerven. Sein Leben, das durch den Tod seiner Frau Sonia einen großen Einschnitt erfahren hat, ändert sich von heute auf morgen, als die schwangere Parvaneh mit samt Ehemann und zwei kleinen Kindern in die Nachbarschaft zieht. Zwischenzeitlich erfahren wir, wie Ove zu dem Mann wurde, der er heute ist. Dabei wird ersichtlich, welch ein herzensguter Mensch er doch eigentlich ist.

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© FISCHER Krüger

Fredrik Backman „Ein Mann namens Ove“
FISCHER Krüger
368 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-8105-0480-7
€ (D) 18,99 | € (A) 19,60 | SFR 27,50

Kritik: „Das Rosie-Projekt“/„Der Rosie-Effekt“

Heute möchte ich euch nicht nur ein, sondern gleich zwei Bücher vorstellen/empfehlen, die innerhalb kürzester Zeit erschienen sind: „Das Rosie-Projekt“ und „Der Rosie-Effekt“ von Graeme Simsion. Beide Bücher handeln von Don Tillman, der ein wenig anders ist als alle anderen (wobei er mir bei dieser Aussage bestimmt direkt widersprechen würde).  Gut durchdachte Abläufe, liebgewonne Rituale  sowie vorbereitete Essens- und Zeitpläne bestimmen sein Leben. Sobald sich der Tagesablauf an nur einer Stelle verändert, gerät er in Panik. Selbst seine zukünftige Ehefrau möchte er mithilfe eines Fragebogens ermitteln, um auf diese Weise die perfekte Partnerin zu finden. Manch einer würde Don als Autisten bezeichnen (er sieht dies freilich nicht so).

Wie es kommen muss, trifft er auf Rosie, die so gar nicht seinen Vorstellungen von einer geeigneten Ehefrau entspricht. Gemeinsam gehen sie in „Das Rosie-Projekt“ das Rätsel an, wer Rosies Vater sein könnte. Schließlich ist Don Genetiker. Sämtliche Geschehnisse werden aus Dons Sicht geschildert. Und das ist das Tolle an den Büchern: Endlich mal keine emotionale, sondern eine pragmatische, rationale Sichtweise. Eine gelungene Abwechslung in der manchmal doch ähnlich gestrickten Romanwelt. Einige Denkweisen konnte ich sogar sehr gut nachvollziehen.

Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich berichte, dass im zweiten Teil, „Der Rosie-Effekt“, Rosies Schwangerschaft im Mittelpunkt steht. Auch der Nachfolgeband hat mich insgesamt sehr gut unterhalten. Doch ich muss zugeben, dass mir Rosie mit ihren Erklärungen, warum sie mit Don und seinem Verhalten während dieser Zeit nicht klar kommt, auf die Nerven gegangen ist. Meine Sympathie für sie hielt sich dieses Mal in Grenzen.

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© FISCHER Taschenbuch

Graeme Simsion „Das Rosie-Projekt“
FISCHER Taschenbuch
368 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-596-19700-2
€ (D) 9,99 | € (A) 10,30 | SFR 14,90

 

 

 

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© FISCHER Krüger

Graeme Simsion „Der Rosie-Effekt“
FISCHER Krüger
448 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-8105-2258-0
€ (D) 18,99 | € (A) 19,60 | SFR 27,50

Kritik: „A Young Doctor’s Notebook“

Heute gibt es etwas für den schnellen Genuss. Doch dieses Mal nicht in kulinarischer, sondern in kultureller Hinsicht. Die erste Staffel von „A Young Doctor’s Notebook“ umfasst gerade einmal 4 Folgen à 25 Minuten. Die knapp 2 Stunden haben mir dennoch mehr Freude bereitet als so manche Staffel, die 20 und mehr Folgen aufweist.

Im Mittelpunkt steht Vladimir Bomgard (Daniel Radcliffe, „Harry Potter“), der 1917 erfolgreich sein Medizinstudium absolviert hat und nun in die niederste russische Provinz versetzt wird. Schnell stellt er fest, dass er in Moskau zwar Studienprimus war, Theorie hier jedoch nicht gefragt ist. So flüchtet er zum Beispiel unter fadenscheinigen Ausreden vor einer Beinamputation und versucht noch schnell, sich entsprechendes Wissen in den Büchern seines Vorgängers, dem ehrwürdigen Leopold Leopoldowisch, anzulesen, bevor er den ersten Schnitt ansetzt. Gut, dass ihm in so mancher Situation sein älteres Ich (Jon Hamm, „Mad Men“) zur Seite steht. Dieses hat jedoch oft genug mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Das Aufeinandertreffen der beiden Charaktere, die eigentlich ein und diesselbe Person darstellen, macht den besonderen Reiz der Serie aus. Das Zusammenspiel zwischen Radcliffe und Hamm, die sichtlich Spaß an ihren Rollen haben, ist perfekt und legt den Grundstein für den genrell heiteren Ton der Serie.

Zeitweilig erscheinen einige Szenen angesichts der reduzierten Arbeitsmittel, die Bomgard zu der Zeit zur Verfügung stehen, ein wenig blutrünstig. Das ist im nächsten Moment direkt wieder vergessen, wenn Bomgard das nächste Malheur passiert oder er sich seiner Abgeschiedenheit und seiner eigenwilligen Kollegen bewusst wird. Einigen Zuschauern könnte die Serie ein wenig zu hektisch sein, mir hat die straffe und zügige Erzählweise sowie das locker-leichte Schauspiel der beiden Darsteller sehr gut gefallen.

Kritik: „The Returned“

Vor einiger Zeit ist auf WDR/Einsfestival die erste Staffel der französischen Serie „The Returned“ (Original: Les Revenants), die durch ihre verstörende Atmosphäre, die kühlen Bilder und den einzigartigen Soundtrack besticht, zu Ende gegangen. Das Staffelende hat mich mit mehr Fragen als Antworten zurückgelassen. Doch zu Beginn möchte ich kurz den Inhalt erzählen, falls jemandem die Serie nichts sagt (Vorsicht Spoiler):

Camille taucht eines Tages völlig unerwartet in einem französischen Bergdorf auf. Dies wäre nicht weiter ungewöhnlich, wenn sie nicht vor einigen Jahren bei einem Busunglück umgekommen wäre. Sie kann sich jedoch nicht daran erinnern, dass sie gestorben ist.  Camilles Eltern sowie ihre Zwillingsschwester Léna sind entsprechend geschockt über ihre Rückkehr und wissen nicht so genau, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Doch Camille ist nicht die Einzige, die aus dem Reich der Toten zurückkehrt (im Gegensatz zu „The Walking Dead“ nicht in Form von Zombies, sondern in Menschengestalt). Auch Simon, der kurz vor der Hochzeit mit Adèle stand, Madame Costa, deren genauen Todesumstände nicht bekannt sind, Serge, ein Serienkiller, und Victor, der als Kind während eines Einbruchs in sein Elternhaus erschossen wurde, sind plötzlich wieder da. Sie sind alle zu verschiedenen Zeiten gestorben. Jeder kommt in dem Alter wieder, in dem er sein Leben verloren hat. Es stellt sich die Frage, warum ausgerechnet diese Personen von den Toten auferstanden sind und warum. Beide Fragen werden in dieser Staffel jedoch nicht eindeutig geklärt.

Zwar wurde „The Returned“ bereits im Jahr 2012 gedreht, doch dieses Mal ist es nicht allzu tragisch, dass es so lange gedauert hat, bis die Serie im deutschen TV zu sehen war. Da die Schauspieler allesamt sehr beschäftigt waren/sind, wurde erst vor wenigen Monaten mit den Dreharbeiten zur zweiten Staffel begonnen. Demenstprechend ist die Wartezeit für uns nicht übermäßig lang, für die französischen Zuschauer hingegen schon. Ich bin gespannt, da ich hoffe, dass folgende Fragen beantwortet werden:

  1. Was hat es mit den Narben auf sich? Sollen sie andeuten, dass die Rückkehrer sich langsam wieder dem Tod annähern? Stammt Lènas Narbe wirklich von einer Auseinandersetzung mit ihren Vater oder spielt auch in diesem Fall die Zwillingsverbundenheit eine wichtige Rolle?
  2. Hat sich Simon wirklich das Leben genommen? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass er nicht freiwillig aus dem Leben geschieden ist.
  3. Wovor hatten die Tiere derartige Angst, dass sie freiwllig ins Wasser gegangen sind? Vor der Meute?
  4. Was hat es zu bedeuten, dass die Meute nicht auch die Auslieferung Serges‘ verlangt hat? Zählt er für sie nicht zu den Toten?
  5. Wie ist Madame Costa gestorben?
  6. Was hat es mit dem Absinken des Wasserspiegels und dem Bruch des Staudammes auf sich?
  7. Warum können die Bewohner nicht aus der Stadt fliehen?
  8. War Victor schon vor den anderen da? Wieso ist er so besonders?

Ihr seht, Fragen über Fragen…

Kritik: „Downton Abbey“

Mit Erschrecken musste ich im Internet lesen, dass die Einschaltquoten von „Downton Abbey“, das derzeit bei ZDF ausgestrahlt wird (samtags gegen 13.50) entgegen aller Erwartungen und Hoffnungen sehr gering ausfallen.  Völlig zu Unrecht! Die britische Adelsserie unterhält auf hohem Niveau, angefangen bei den Requisiten über die Kostüme hin zu den vortrefflich ausgewählten Schauspielern. Mag es daran liegen, das der Sendetermin ungünstig gewählt, die Serie zu wenig beworben oder Serienjunkies sie eh schon im Originalton gesehen haben? Ich weiß es nicht.

Im Mittelpunkt stehen die Familien Grantham und Crawley sowie deren Hausangestellte. Die Serie spielt in den 1910/20-er-Jahren. Neben reichlich Dramatik (drohender Bankrott, Ausbruch des 1. Weltkriegs, Todesfälle in der Familie) kommt die Komik nicht zu kurz. Es macht einfach Spaß mitanzusehen, wie mit Erstaunen und Argwohn auf elektrisches Licht reagiert oder die richtige Beantwortung eines Telefongesprächs geübt wird, britische Höflichkeit inklusive. Für Lacher sorgt vor allem Maggie Smith, die in ihrer Rolle als Dowager Countess of Grantham für den nötigen Sarkasmus sorgt. Oft reicht hierfür schon ein einziger Satz aus.

Weitaus mehr als die Geschichten der adligen Herrschaft interessieren die Probleme und Beziehungen der Angestellten. Bates und seine spätere Frau Anna habe ich wegen ihrer Herzlichkeit direkt ins Herz geschlossen. Auch wenn Thomas und O’Brien in den vergangenen Folgen die ein oder andere Gemeinheit ausgeheckt haben, war ich doch traurig, als mit Shiobhan Finneran nach der 3. Staffel die Figur O‘ Brien verschwand. Schließlich sind Serien, in denen nur Friede-Freude-Eierkuchen herrrscht langweilig, oder? Zum Glück ist uns Thomas erhalten geblieben…

Kritik: „Wir sind doch Schwestern“

Anne Gesthuysen „Wir sind doch Schwestern" erschienen im Piper Verlag

© Piper Verlag

Heute stelle ich euch seit Langem endlich wieder ein Buch vor. Da ich in letzter Zeit stark beruflich eingespannt war, habe ich es nur abends kurz vorm Schlafengehen geschafft, ein wenig zu lesen. Meine Wahl fiel auf „Wir sind doch Schwestern“ von Anne Gesthuysen. Ein gute Wahl, wie sich im Nachhinein rausstellte. Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Getrud, Paula und Katty, die sich auf dem Tellemannshof treffen, um den 100. Geburtstag von Getrud zu feiern. Während der Vorbereitung kommen einige Begebenheiten aus der Vergangenheit erneut zur Sprache, die zum Zwist zwischen Getrud und Katty geführt haben. Getrud konnte ihren Verlobten Franz nicht heiraten, da dieser von seinem Bruder, dem Hofbesitzer Heinrich, quasi für den Krieg „freigegeben“ wurde. Heinrich gab an, ihn nicht für die Hofarbeit zu benötigen. Schließlich fällt Franz im Krieg. Heinrich war gegen eine Heirat der beiden, da er Getrud als nicht standeswürdig erachtete. Der eigentliche Konflikt zwischen den beiden Schwestern entsteht dadurch, dass die jüngere Katty von Heinrich auf dem Tellemanshof angestellt wird, als ihr Vater in finanzielle Schwierigkeiten gerät. Katty und Heinrich, der eine politische Karriere anstrebt, verbindet eine besondere Freundschaft/Beziehung, die Getrud nicht gutheißt.

Wer jetzt ein Drama mit Tränen und Streitigkeiten ohne Ende erwartet, ist hier falsch. Vielmehr erzählt Anne Gesthuysen in ruhigen Worten und aus der Sicht der Schwestern die Geschichte . Wir bekommen einen intensiven Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Der Ton mutet locker-leicht an. Der Roman lässt sich wunderbar leicht lesen, also genau das Richtige, wenn man abends abschalten möchte. Viele passiert eigentlich nicht in „Wir sind doch Schwestern“, die Streitereien werden nur hier und da eingestreut. Es wird auf keine großen geschichtlichen Entwicklungen  eingegangen, obwohl Getrud in ihren 100 Lebensjahren einige Entwicklungen – seien sie politisch oder in gesellschaftlicher Hinsicht – durchgemacht haben muss. Einzige Ausnahme ist die Geschichte von Paula. Alles in allem bekommen wir eine Geschichte präsentiert, die sich angenehm lesen lässt, aber keine großen Emotionen hervorruft.

Anne Gesthuysen „Wir sind doch Schwestern“
erschienen im Piper Verlag
416 Seiten, Kartoniert
ISBN: 978-3-492-30431-3
€ 9,99 [D], € 10,30 [A], sFr 14,90

Kritik: „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Seit einer gefühlten Ewigkeit bin ich mal wieder mit dem Gedanken „Wow, das war ein schöner Film“ aus dem Kino gegangen. Hierfür hat Ben Stiller (Regie & Hauptrolle) mit seinem Werk „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ gesorgt. Ich bin eigentlich kein großer Fan von Ben Stiller, aber diese Sache hat er außergewöhnlich gut hinbekommen. Er spielt Walter Mitty, beim Life-Magazine zuständig fürs Fotoarchiv, angenehm zurückhaltend, dass es eine Freude ist, ihm bei seiner Entwicklung vom verträumten Angestellten zum wagemutigen Abenteurer zuzusehen.

Als großer Ally-McBeal-Fan haben mir besonders die mitunter abstrusen Tagträumereien und Fantasisequenzen sehr gut gefallen. Ich liebe es, wenn von den immer gleichen Bildern, Ideen und Gedanken abgewichen wird, und sich Filmemacher trauen, etwas anderes zu zeigen.  Für einige mag es am Anfang ein wenig zu viel dieser Ausflüge in Walter Mittys Gedankenwelt geben, für mich war es genau die richtige Menge. Begleitet wird der Film von wunderschönen Landschaftsaufnahmen, bei denen man direkt Lust verspürt nach Island oder Grönland zu reisen. Auch der Witz kommt nicht zu kurz (meinen Humor hat er zumindest getroffen). Perfekt ergänzt wird das Ganze durch einen wirklich gelungenen Soundtrack. Der Film schafft es auf jeden Fall in meine DVD-Sammlung!