Höxter — Die Stadt der Fachwerkhäuser

Die Törtchentante und ich waren mal wieder unterwegs, um die weniger touristisch erschlossenen Städte Deutschlands zu erkunden. Nachdem wir bereits Hattingen einen Besuch abgestattet hatten, haben wir dieses Mal die Stadt Höxter im gleichnamigen Kreis angesteuert. Auch in Höxter waren an diesem Tag die Ausmaße des Hochwasser, das zu dem Zeitpunkt noch hoch aktuell war, zu spüren. Wären wir einen Tag früher angereist, hätten wir gar nicht auf dem großen Parkplatz direkt an der Weser parken können, denn auch dort war in den Tagen zuvor das Wasser über die Ufer getreten. Doch wir hatten Glück und sicherten uns einen Platz auf dem kostenlosen Parkgelände.

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Da wir an einem Samstag unseren Ausflug angetreten hatten, haben wir die Gelegenheit wahrgenommen, uns der öffentlichen Stadtführung anzuschließen, die zwischen Mai und September jeden Mittwoch um 15 Uhr und jeden Samstag um 11 Uhr stattfindet. Die Führung kostet 4 €, dauert knapp eineinhalb Stunden und man bekommt auf unterhaltsame Art und Weise eine Menge zusehen. An allererster Stelle stehen natürlich die zahlreichen Fachwerkhäuser, die sich durch den kompletten Stadtkern ziehen. Besonders auffällig ist die Dechanei aus dem Jahre 1561, die auf dem Marktplatz steht. Sie wurde im für die Stadt typischen Weserrenaissancestil erbaut. Besonders auffällig sind die insgesamt 60 Halbrosetten, von denen keine der anderen gleicht. Hier wurde das in der Renaissance beliebte Muschelmotiv wieder aufgegriffen.

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Der Stadtrundgang führte ebenfalls entlang des Adam-und-Eva-Hauses, hinein in die Kilianikirche mit ihren romanischen Säulen und rund um das historische Rathaus. Auch die Nikolaikirche wurde kurz besichtigt. An die ehemalige Synagoge, die während der Reichsprogromnacht und des Zweiten Weltkrieges stark zerstört wurde, erinnert heute leider nicht mehr viel. Was ich jedoch sehr schön finde, ist die Aktion, dass aus einem der Balken der ehemaligen Synagoge der Rahmen für das Altarkreuz in der Nikolaikirche gemacht wurde. Anschließend sind wir noch ein wenig durch die Stadt flaniert und haben uns alles noch einmal in Ruhe angeschaut. Nach einem leckeren indischen Mittagessen ging es mit dem Auto weiter zum wenige Kilometer entfernten Schloss Corvey, denn dort wartete um 15 Uhr bereits die nächste Rundführung auf uns.

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Trotz des herrlichen Wetters herrschte im Schloss, das sich anschickt UNESCO-Weltkulturerbe werden zu wollen, zum Glück nicht allzu viel Betrieb. Die Führung hätten wir uns aber schenken können. Es wurde zwar auf die wechselvolle Geschichte des Schlosses (es war mal ein Kloster) und seiner Bewohner (u. a. Hoffmann von Fallersleben) eingegangen, doch ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, als ob die Dame noch einen anderen Termin gehabt hätte und daher in Eile gewesen sei. Die Führung war dann auch schon recht schnell wieder vorbei. So richtig Spaß hat das nicht gemacht. Komischerweise musste man neben den 3 € für die Führung noch den Eintritt (5 €) extra zahlen. Eine Fotolizenz, die das Fotografieren für private Zwecke erlaubt, kostet noch einmal einen Euro zusätzlich. Nach der Führung haben die Törtchentante und ich uns die Zeit genommen und sind durch die 15 Buchsäle der Fürstlichen Bibliothek geschlendert, immer auf der Suche nach den Erstausgaben von Jane Austen und den Brontë-Schwestern. Gar nicht so einfach bei 200 Bücherschränken und knapp 36.000 Büchern sowie dem Umstand, dass die Brontë-Schwestern damals noch unter einem Pseudonym (Currer, Ellis und Acton Bell) ihre Geschichten veröffentlicht haben. Doch wir haben es tatsächlich geschafft und haben die Werke zwischen all den Reisebeschreibungen und Geschichtsbüchern entdeckt — mein persönliches Highlight des ganzen Tages!

Immer eine Reise Wert: Sizilien (Teil 3)

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Weiter geht es mit unserer Reise durch Sizilien. Ich hoffe, ihr habt schon einmal von Taormina gehört, denn die Stadt solltet ihr auf eurer Rundreise nicht verpassen. Die Innenstadt liegt ein wenig höher, sodass man von den verschiedenen Aussichtsplattformen wunderbar auf das türkis-blaue Meer schauen und bei gutem Wetter in der Ferne den Ätna ausmachen kann. Touristenmagnet ist natürlich das gut erhaltene antike Theater. Hier kann man sich nach Herzenslust auf den Steinsitzen niederlassen und sich in vergangene Zeiten träumen, als in dem Theater noch Aufführungen oder zeitweise gar Gladiatorenkämpfe stattfanden, oder aber man erkundet auf eigene Faust die ziemlich verwinkelte Anlage. Natürlich hat auch Taormina wie fast jede italienische Stadt einige imposante Kirchengebäude zu bieten. Doch die haben wir bei unserer Erkundungstour ausgelassen und haben uns stattdessen ein leckeres Mittagessen gegönnt. Wunder euch nicht, wenn auf der Rechnung der Posten „Coperto“ aufgelistet wird. Hiermit ist das Gedeck (und in Einzelfällen auch der Sitzplatz und das Brot) gemeint. In Italien ist es üblich, dass dies extra aufgeführt bzw. bezahlt werden muss. Daher nehmen viele Italiener ihr Frühstück auch im Stehen ein.

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Mit dem Auto gelangt man von Taormina innerhalb von rund 40 Minuten zur Gole dell’Alcantara. Das Besondere an den Schluchten ist, dass sich das kristallklare Wasser in das umgebende Lavagestein gefressen hat — und das nicht erst seit gestern, sondern seit über Tausend Jahren. Das Lavagestein wirkt auf den ersten Blick ziemlich unecht, fast so, als hätte jemand aus Pappmaché eine Wand nachgemalt. Im vorderen Teilstück der Schlucht, die natürlich Eintritt kostet, kann man sogar baden. Aber vorsicht: Das Wasser ist eiskalt! Wir haben uns trotz Hitze gerade einmal mit den Füßen hereingetraut. Gegen einen kleinen Beitrag kann man sich auch Gummistiefel ausleihen, um ein wenig länger durchs Wasser warten zu können. Einem Flyer konnte ich entnehmen, dass an bestimmten Tagen auch eine Raftingtour oder eine kleine Führung angeboten werden. Rund um die Schlucht führt ein kleiner Wanderweg entlang, der den Blick auf eine außergewöhnliche Flora und Fauna freigibt.

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Nun zu meinem letzten Ausflugstipp auf Sizilien, die Liparischen Inseln (auch als Äolische Inseln bekannt). Am einfachsten ist es, wenn man den Trip über eines der zahlreichen Schiffsunternehmen bucht. Am häufigsten wird die Route „Lipari & Vulcano“ angeboten. Diese kostet im Schnitt 40 €. Die restlichen Inseln zusätzlich zu erkunden kostet natürlich erheblich mehr. Gestartet wird von einem der vielen Häfen auf Sizilien. In meinem Fall war es der von Capo D’Orlando (in den früheren Monaten, wenn noch nicht so viele Touristen da sind, werden nur größere Häfen wie Milazzo und Palermo als Abfahrtsort angeboten). Die Hauptinsel Lipari bietet einen niedlichen Stadtkern und ein sehr interessantes archäologisches Museum, inklusive eindrucksvollen Funden u. a. aus der Zeit der griechischen Besetzung. Auch die Reste einer Therme kann man dort bestaunen. Vulcano mit seinem inaktiven Stratovulkan ist nur für diejenigen interessant, die im so genannten Toten Feld ein Bad im schwefelhaltigen Meer nehmen möchten. Das soll ja angeblich gesund sein. Doch dafür muss man schon ein wenig wagemutig sein, da man auch noch Tage danach den Geruch nach faulen Eiern, der die Insel umweht, versprüht. Wir haben uns stattdessen an den Strand begeben, bis das Schiff wieder vom Hafen ablegte (da die Inseln nicht allzu groß ist, blieb uns keine andere Möglichkeit).

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Nachtrag Dezember 2014: Im September habe ich der Gole dell’Alcantara noch einmal einen Besuch abgestattet, um Bodyrafting auszuprobieren (Kosten 40 €). Ausgestattet mit Neoprenanzug, Wasserschuhen, Helm und Schwimmweste ging es hinein ins eiskalte Wasser. Die niedrigen Temperaturen sind selbst durch den Neoprenanzug noch deutlich zu spüren. Um mit der Strömung schwimmen zu können (schwimmen ist eigentlich das falsche Wort, die Kraft des Wassers ist derart groß, dass man eigentlich nur mitgerissen wird), legt man sich mit dem Rücken aufs Wasser, macht sich relativ lang und verschränkt die Arme auf der Brust. Ich habe selten so etwas Anstrengendes gemacht, es ist sauschwierig die Richtung zu halten, sich zeitweise nicht zu verschlucken oder gegen die Steine zu stoßen. Selbst die Männer unter uns waren nach den 1,5 Stunden mit ihren Kräften am Ende und froh, dass es vorbei war. Ich weiß nun, wie gefährlich Strömungen sein können, selbst für erfahrene Schwimmer. Es war eine Erfahrung Wert, aber noch einmal würde ich es nicht machen.

Immer eine Reise Wert: Sizilien (Teil 2)

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 Auf Sizilien führt kein Weg an Palermo vorbei, denn hier pulsiert das Leben. Zeitgenossen, die es lieber ruhig und besinnlich mögen, sollten sich besser von der Hauptstadt fernhalten. Lauter Straßenverkehr, feilschende Marktverkäufer und hektische Touristenmassen bestimmen dort den Alltag. Doch gerade das macht die Stadt aus. Ansonsten würde irgendetwas fehlen. Wenn man am zentral gelegenen Hauptbahnhof aussteigt, muss man sich als Deutscher zunächst an den Straßenverkehr gewöhnen. Gerne machen die Sizilianer aus einer zweispurigen Fahrbahn eine vierspurige. Das wichtigste Hilfsmittel ist nicht etwa die Bremse oder der Blinker, sondern die Hupe. Rote Ampeln gelten nicht wirklich als Grund zum Stoppen, sondern bestensfalls zum leichten Abbremsen, bevor es bei Gelb direkt weitergeht mit der Fahrt. Das Geheimnis ist — so absurd es auch klingen mag — einfach loszulaufen. So machen es die Auofahrer nämlich auch, denn irgendwer wird schon anhalten. Und kurioserweise funktioniert das auch.

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Bei meinem ersten Erkundungsbesuch habe ich mir eine Fahrt mit dem für Großstädte typischen, roten Touristenbus „Hop-on Hop off“ gegönnt. Wie ich nachher aber festgestellt habe, braucht man den nicht wirklich, außer man scheut sich vor ein wenig Fußmarsch. Die meisten Sehenswürdigkeiten, z. B.  das Teatro Massimo, die Quattro Canti mit den barocken Fassaden, der majestätische Brunnen Fontana Pretoria oder die imposante Kathedrale Maria Santissima Assunta, in der die Sarkophage von Friedrich II. sowie Heinrich VI. aufbewahrt werden, sind sehr gut zu Fuß zu erreichen. Während man durch Palermo läuft, merkt man an allen Ecken und Ende die verschiedenen Einflüsse der ehemaligen Besatzungsmächte. Zahlreiche Gebäude in der Stadt, u. a. der Normannenpalast (Palazzo Reale) oder das Schloss La Zisa, zeugen zum Beispiel von der Baukunst der Araber und Normannen. Zu erkennen sind sie an ihrer rötlichen Färbung. Zwischendurch locken die lebendigen Straßenmärkte zum Probieren ein. Hier gibt es täglich fangfrischen Fisch in Massen zu kaufen. Etwas außerhalb der Stadt liegt die berühmte Kapuzinergruft (Le Catacombe dei Cappuccini), die einige der besterhaltensten Mumien der Welt beherbergt. Der Eintritt beträgt nur ein paar Euro, das Fotografieren ist nicht erlaubt. Dennoch halten sich nicht immer alle Besucher an dieses Verbot. Braucht man starke Nerven, um sich die teilweise an der Wand hängenden, mehrere Hundert Jahre alten Mumien anzuschauen? Ich glaube, das muss jeder vor Ort selbst entscheiden. Ich hatte keine Probleme damit, kenne aber einige Personen, die nach dem Besuch ein paar Tage schlecht geschlafen haben (und dennoch würden sie sich die Katakomben noch einmal anschauen!).

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Am Tag des Palermobesuchs sollte man sich noch ein wenig Zeit nehmen und die Kathedrale Santa Maria Nuova in Monreale besichtigen (mit dem Bus zu erreichen). Bereits das Äußere ist besonders prachtvoll. So wartet die Kathedrale mit einem eindrucksvollen Bronzetor auf. Weitaus berühmter ist sie aber für ihre im Innern angebrachten Goldgrund-Mosaiken, die mit Szenen aus der Bibel bebildert sind. Auch den eindrucksvollen Kreuzgang sollte man gesehen haben, der Überbleibsel des ehemaligen Benediktinerkloster ist. Der Krezugang setzt sich aus mehreren Doppelsäulen zusammen, die immer zu zweit einen Spitzbogen tragen. Direkt verspürt man den Drang dort entlang zu schlendern, die Arme hinter dem Rücken zu verschrenken und einige philosophische Gespräche zu führen. Wer mit Kirchen nicht viel anfangen kann, der kann für ein oder zwei Euro einen der Seitengänge erklimmen und sich die Kathedrale sowie Monreale von oben anschauen. Hier erhält man auch einen wunderschönen Blick auf den stilvoll angelegten Innenhof des Kirchenhauses und den Kreuzgang. Allein schon deswegen lohnt sich der Abstecher nach Monreale.

Immer eine Reise wert: Sizilien (Teil 1)

Was wird nicht alles über Sizilien geschrieben und behauptet: Auf der Insel ist quasi jeder Zweite ein Mafiamitglied, die Müllberge tummeln sich meterhoch und die Armut ist in jedem Winkel spürbar. Bei meinen häufigen Besuchen verschiedener Städte habe ich davon jedoch nicht allzu viel mitbekommen. Na gut, in den Bergen wird von einigen Bewohnern immer noch gerne der Müll achtlos entlang der Serpentinen oder immensen Obst- und Gemüsehainen entsorgt.

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Leider kenne ich hauptsächlich nur den östlichen Teil der Insel, doch der hat es in sich. Sobald man in Palermo oder Catania aus dem Flugzeug steigt, taucht man in eine komplett andere (klimatische) Welt ein. Vorbei sind Schwüle und drängende Hitze, wie wir sie aus Deutschland kennen, stattdessen empfängt einen eine angenehme Wärme, die einem auch Raum zum Atmen lässt. Die Menschen auf der Insel haben das Dolce Vita perfektioniert und lassen einem gerne an ihrem Leben teilhaben. Die Sizilianer sind offen, herzlich und kommen gerne mit anderen Leuten ins Gespräch. Am besten funktioniert dies bei einem Gläschen Granita, einer Spezialität des Südens (im Norden Italiens bekommt man häufig nur einen billigen Abklatsch in Form einer Fertigmixtur geboten, die an einen Slush-Drink erinnert). Für die Granita werden z. B. Erdbeeren oder Zitronen ausgepresst und der Saft weiterverarbeitet. Der aufgekochte und mit Zucker leicht gesüßte Saft wird so lange in den Tiefkühlschrank gestellt, bis er halbgefroren ist. Danach wird er kurz püriert. Das grobkörnige Getränk wird üblicherweise mit einem Brioche serviert und ist das beste Gegenmittel gegen die hohen Temperaturen.

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Dank der langen Sonnenstunden schmecken das Obst und Gemüse, das zahlreich am Straßenrand zum Verkauf angeboten wird, einfach nur himmlisch — nicht zu vergleichen mit unseren Ernten. Dies spürt man nicht nur in der Granita, sondern auch in den leckeren Soßen, Pasta- oder Reisgerichten. Unbedingt sollte man eins der zahlreichen Auberginenrezepte probiert haben. Auf Schleckermäuler warten in der für Sizilien typischen Pasticceria Köstlichkeiten wie Cannoli (frittierte Röllchen, die am liebsten mit Schokolade, Ricottacreme und kandierten Früchten gefüllt werden), Sfogliatelle, die an kleine Muscheln erinnern, oder schlicht und einfach die wie Croissants aussehenden Cornetti, die im Kern mit Marmelade (Aprikose), Schokolade oder anderen Cremes aufwarten. Die bereits oben angesprochenen Brioches übernehmen auf Sizilien noch eine ganz andere Funktion: Liebend gern werden die Eisbällchen, die übrigens nicht mit einem Eisportionierer aufgetragen, sondern eher gespachtelt werden, zwischen die süßen Teilchen geschmiert. Während wir hier inzwischen mit ausgefallenen Eiskreationen wie Lakritz-, Lavendel- oder Karotteneis überhäuft werden, konzentrieren sich die Verkäufer in der hiesigen Gelateria in der Regel auf klassische Sorten wie Schokolade, Erdbeer, Stracciatella und Nuss. In fast jeder Eisdiele wird zudem auch das beliebte Dessert Zuppa inglese als Eis angeboten.

Nachdem ich euch heute die Insel ein wenig von ihrer kulinarischen Seite vorgestellt habe, geht es demnächst mit Palermo, Taormina, Lipari, Vulcano, Monreale und den Alcantara-Schluchten (Gole dell’Alcantara) weiter.

Amsterdam oder doch lieber Alkmaar?

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Drei Tage Amsterdamurlaub sind … Ja, was eigentlich? Genau passend? Zu lang? Aufregend? Langweilig? Mit Spaß verbunden? Ein wenig enttäuschend? Irgendwie von allem ein bisschen. Daher kann ich mich auch so gar nicht entscheiden, was ich von der Hauptstadt der Niederlande halten soll. Ich habe bei meinem Städtetrip nicht so recht den Zugang zu Amsterdam gefunden. Die Nieuwe Kerk, der Begijnhof und der Königliche Palast (Paleis op de Dam oder auch Koninklijk Paleis) sind ganz nett, mehr aber auch nicht. Woran meine geringe Begeisterung liegt, weiß ich nicht. Vielleicht habe ich aber auch inzwischen einfach nur zu viele Gebäudefassaden dieser Art gesehen. Wenn ich ein Kunstfreund wäre, dann wäre ich möglicherweise von Amsterdam mehr angetan. Hier haben schließlich das Rijkmuseum, das Van Gogh Museum und das Museum Het Rembrandthuis ihren Sitz.

Auch wenn man die Innenstadt gut innerhalb eines Tages besichtigen kann, sollte man dennoch mindestens einen weiteren Tag dranhängen, denn eine Grachtenfahrt (um die 8 €) muss in Amsterdam schon sein. So kann man dem Trubel rund um den zentralen Platz, dem Dam, ein wenig entgehen und sich die herrschaftlichen Häuser einmal aus einem anderen Blickwinkel anschauen. Zugleich kann man verstohlen in die zahlreichen, teilweise wunderschön gestalteten Hausboote schielen. Ich glaube, auf den Grachten rumschippern könnte ich den ganzen Tag.

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Pflicht ist in Amsterdam außerdem ein Besuch des Anne-Frank-Hauses. Auch Personen, die nicht das wohl berühmteste Tagebuch der Welt gelesen haben, sollten die Mühe auf sich nehmen und sich in die stets lange Schlange einreihen (wir haben rund eine Dreiviertelstunde angestanden). Tipp: Die Eintrittskarten am besten im Internet vorbestellen und an der Extrakasse abholen. Dies geht aber nur über Kreditkarte und ist an bestimmte Uhrzeiten gebunden. Wir waren leider zu spät dran, sodass es entweder nur noch für spät abends oder aber für Einzelpersonen eine Karte gegeben hätte. Wenn man durch das Haus wandert, mag man sich gar nicht vorstellen, wie das Leben dort gewesen sein muss. Sich jeden Tag verstecken, nicht mehr nach draußen zu können, immer leise sein zu müssen.

Flohmarktfreunde werden ihr Freude am täglich (außer sonntags) stattfindenden Wochenmarkt Albert-Cuyp-Markt haben. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz begehrt — angefangen bei bunten Schals über Käse hin zu Obst und T-Shirts. Es macht einfach nur Spaß über die langgezogene Gasse zu flanieren, zwischendurch eins der angrenzenden Geschäfte aufzusuchen und nebenbei eine der vielen Köstlichkeiten zu probieren. Etwas kleiner, dafür aber nicht weniger charmant ist der Flohmarkt am Waterlooplein. Dort werden im Gegensatz zum Albert-Cuyp-Markt auch wirklich alte und gebraucht Dinge angeboten.

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Von Amsterdam bis nach Alkmaar sind es nur knapp 40 Minuten. Da wir an einem Sonntag dorthin aufgebrochen sind, haben wir zwar den berühmten Käsemarkt, der immer am Freitag stattfindet, verpasst, dennoch wartete an dem Tag eine Überraschung auf uns: An dem Wochenende wurde das traditionelle Kaeskoppenstad abgehalten. Für das Fest stellt ein Großteil der Bewohner das Stadtleben im 16. Jahrhundert nach. Verkleidungen und Stände inklusive. Es war zwar recht voll, trotzdem hat es riesen Spaß gemacht. Und die 2 € Eintritt sind wahrlich kein Beinbruch. Stattdessen kann man die Altstadt bestaunen und bekommt Unterhaltung der etwas anderen Art geboten. Für einen guten Zweck konnte man sich für nur 3 € in historischen Kostümen fotografieren lassen — was wir natürlich auch gemacht haben. Der Versand per E-Mail verlief reibungslos. Vor Beginn des Stadtfestes (und den damit einhergehenden Menschenmassen) hatten wir das Glück, uns Alkmaar in Ruhe anzuschauen. Die Stadt hat mich im Gegensatz zu Amsterdam direkt gefangen genommen. Alkmaar verprüht irgendwie einen urigen Charme und ist nicht so überlaufen und hektisch wie Amsterdam. Hier kann man wirklich einen wunderschönen Tag verbringen!

Venedig, oh du Schöne!

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Ich liebe Italien, doch bisher habe ich immer nur auf Sizilien Urlaub gemacht. Dieses Jahr habe ich es auch endlich mal nach Norditalien geschafft: Monsieur Watson und mich hatte es im Mai eine Woche nach Venedig verschlagen. Um dem Trubel und den saftigen Preisen im Zentrum zu entgehen, hatten wir uns bei Bruno eine kleine Ferienwohnung im Vorort Favaro Veneto gemietet. Vom Flughafen bis zu unserer Schlafstätte waren es nur rund 15 Minuten Busfahrt. In Favaro Veneto findet man alles, was das Herz begehrt: Supermärkte, eine preisgekrönte Pizzaria (die Pizzen sind dort wirklich sehr lecker), Cafés, Bars, Restaurants und Eisdielen.

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Auf keinen Fall sollte man eine der zahlreichen Pasticcerien verpassen und sich wenigstens einmal durch das Angebot probieren, denn in den kleinen Läden, vielleicht am ehesten mit unseren Bäckereien und Konditoreien zu vergleichen, gibt es dolci in Hülle und Fülle. Man kann sich kaum zwischen Cornetti mit crema pasticcera, Bigne Cioccolato und Sfogliatelle Napoletane entscheiden. Ich muss sagen, sie schmecken mir fast alle gleich gut, nur Babà al rhum kann ich nichts abgewinnen. Das ist mir dann doch ein wenig zu viel Rum. In die meisten anderen dolci könnte ich mich dagegen reinlegen.

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Bereits in Favaro Veneto erfüllte mich ein kleines Glücksgefühl und ich war mehr als gespannt auf Venedig. Mit dem Bus ging es innerhalb von 20 Minuten hinein ins Zentrum. Die Fahrkarte kostet für einen Weg nur 1,30 € — da frage ich mich, wieso in Deutschland Bus und Bahn fahren so teuer ist. In Italien und anderen Ländern scheint der öffentliche Nahverkehr außerdem ein wenig moderner zu sein: Statt die Fahrkarten abzustempeln (und zu hoffen, dass der Kasten auch funktioniert und noch genug Tinte hat), ist in der Karte ein Chip integriert, den man nur vor dem Automaten einscannen muss. Ein toller Tipp: Für alle, die 29 Jahre und jünger sind, gibt es an der Touristeninformation die Rolling Venice Card zu kaufen. Für einmalig 4 € erhält man anschließend das 72-Stunden-Ticket für nur 18 € statt 35 €. Zusätzlich gibt es noch Rabatt bei bestimmten Sehenswürdigkeiten, z. B. dem Dogenpalast. Die Karte lohnt sich wirklich, denn eine Einzelfahrt (Gültigkeit 60 Minuten) mit dem Vaporetto kostet 7 €. Wo wir gerade beim Vaporetto sind: Die Boote sind quasi Busse auf den Kanälen. Sie halten an fast allen Sehenswürdigkeiten und fahren, je nach Linie, ungefähr alle 10 Minuten. Auch die verschiedenen Nachbarinseln, u. a. Murano und Burano, werden von ihnen angesteuert. Vom Deck des Vaporettos aus hat man einen wundervollen Blick auf den Canal Grande. Besonders wenn sich die Sonne auf dem Wasser bricht, möchte man gar nicht mehr aussteigen.

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Natürlich haben wir auch fast alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert, die üblicherweise in den gängigen Stadtführern gelobt werden: Dogenpalast, Campanile, Markusplatz mit Dom, Rialtobrücke, … Ich habe schon oft erlebt, dass die angepriesenen „kulturellen Höhepunkt“ sich im Endeffekt als wenig spektakulär erweisen. Doch in Venedig lohnt sich ausnahmsweise einmal das Schlangestehen. Vom Dach des Campanile kann man über ganz Venedig schauen, der komplex angelegte Dogenpalast, in dem man Stunden verbringen kann, ist einfach nur eindrucksvoll. Bereits der Gang durch die kleinen Gässchen hin zur Sehenswürdigkeit macht Lust auf mehr. Da es in den Gassen sehr schnell recht eng werden kann, besonders bei Regen und am Wochenende, empfiehlt es sich, Venedig nicht in den Sommermonaten aufzusuchen. Zwischendurch haben wir zur Abwechslung auch mal die weniger überlaufenen Stadtteile durchstreift und haben im alten Ghettoviertel — in Venedig entstand im Mittelalter das erste jüdische Ghetto überhaupt — koscheres Gebäck probiert.

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Mit dem Vaporetto ging es einen Vormittag hinaus zur Inselgruppe Murano. Hier wird Glaskunst in Perfektion präsentiert; im Kern von Murano wird bereits seit über 1000 Jahren Glas hergestellt. Die Arbeiter waren schon im frühen Mittelalter für ihre filigranen Produkte weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Den Glasbläsern war es verboten Murano zu verlassen, ansonsten drohte ihnen der Tod. Die Stadthalter hatten Angst, dass die Glasbläser Geheimnisse an Außenstehende verraten und Murano seinen Status als Glasbläserstadt verlieren könnte. Auch heute noch verkauft ein Laden nach dem anderen alles, was sich aus Glas herstellen lässt: Schmuck, Figuren, Tortenheber und noch vieles mehr. Nebenbei entdeckt man aber auch solche Kunstwerke wie auf dem Foto.

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Für nur 5,70 € gelangt man per Bahn vom Bahnhof in Mestre (von Favaro Veneto ganz einfach mit der Tram zu erreichen) nach Padua. Die Universitätsstadt gilt als eine der ältesten Städte Italiens. Leider fehlt es Padua ein wenig an Charme. Das können auch nicht der unter dem Schutz der UNESCO stehende Botanische Garten, die Basilika des Heiligen Antonius inklusive Grabmal oder die Universität im Palazzo del Bo, die wir leider nur spärlich von aussen besichtigen konnten, wieder wettmachen. Ich kann gar nicht sagen, woran es gelegen hat, dass ich Padua ein wenig langweilig fand. Vielleicht hatte ich mir von solch einer alten Stadt einfach mehr versprochen.

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Auf die Enttäuschung am Vortag folgte ein weiteres Highlight der Venedigreise: Verona. Ebenfalls mit dem Zug leicht zu erreichen, empfängt einen die literarische Heimat von „Romeo und Julia“ mit allerlei wunderschönen und eindrucksvollen Gebäuden. Als wäre das nicht genug, steht mitten in der Innenstadt das relativ gut erhaltene Amphitheater, das heute vor allem für Konzerte und Aufführungen genutzt wird. Das muss bestimmt ein aufregendes Erlebnis sein! Nur ein paar Meter weiter sticht einem das wunderschöne Castelvecchio sowie die Ponte Scaligero ins Auge. Hier kann man ganz gemütlich entlang der Mauern flanieren und auf einer der Bänke dem geschäftigen Treiben zuschauen. Weiter geht es in nur wenigen Minuten zur beeindruckenden Piazza delle Erbe und zur Casa di Giulietta, die nicht zuletzt durch den Film „Briefe an Julia“ bekannt geworden ist. Die kleine Seitengasse ist dementsprechend überlaufen von Touristen. die sich mit der Julia-Statue fotografieren lassen wollen und an den Wänden Botschaften für ihre Liebsten hinterlassen.

Alles in allem ein wunderschöner Venedigurlaub. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Befürchtungen nicht bewahrheiten, dass Venedig irgendwann einmal untergehen wird.

„Hattingen hat Flair“

Wie jeder weiß, hat auch Deutschland schöne Ecken zu bieten. Und damit meine ich nicht touristisch überlaufene Städte wie Berlin, München und Hamburg, sondern vielmehr die kleinen Städte und Orte, die bei der Reiseplanung schnell einmal übersehen werden, obwohl sie doch eigentlich recht schön sind. Daher habe ich mit einer Freundin beschlossen — fortan die Törtchentante genannt (ja, sie backt genauso gerne wie ich, wenn nicht sogar noch lieber) —, dass wir uns diese kleineren Städtchen mal etwas genauer ansehen.

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Gesagt, getan. Als erstes haben wir uns für Hattingen entschieden, das in seiner Broschüre mit dem Slogan „Hattingen hat Flair“ wirbt. Der Ort ist aufgrund des ehemaligen Hüttenwerks Henrichshütte ja allgemeinhin eher als Industriestadt bekannt. Also waren wir ziemlich gespannt, was uns im Endeffekt erwarten würde. Heruntergekommene Arbeiter-siedlungen? Aufgeforstete Halden?

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Das Gute vorweg: Nicht allzu weit von der Innenstadt entfernt findet man ohne Probleme genügend kostenlose Parkplätze. Am Anfang war ich ein wenig überrascht, denn die Altstadt erinnert so gar nicht ans Ruhrgebiet mit seinen typischen, leider stets etwas trostlos wirkenden Innenstädten. Fachwerkhäuser säumen überwiegend die Gassen, in den verwinkelten Straßen wechseln sich historische Gebäude mit liebevoll eingerichteten Geschäften ab, an allen Ecken und Enden laden urige Kneipen und Restaurants dazu ein, zwischendurch ruhig mal ein Päuschen zu machen. Klarer Pluspunkt von Hattingen: Autos sind im Stadtkern verboten. Dennoch sollte man stets die Augen aufhalten, denn das Kopfsteinplaster bietet die ein oder andere Stolperfalle. Also innerhalb der Altstadt beim Gehen schön brav die Füße heben.

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Zu besichtigen gibt es in Hattingen natürlich auch einiges. Da wäre zum Beispiel der einladende Haldenplatz oder das Alte Rathaus, durch dessen Torbogen man innerhalb von Sekunden auf die andere Seite des Gebäudes gelangt. Vom ehemaligen Stadtweinhaus, in dem die Renten- und Kaufverträge üblichweise mit einem Schlückchen Wein feierlich abgeschlossen wurden, ist leider nichts mehr zu sehen. An dieser Stelle steht nur noch der Glockenturm der späteren Johanniskirche, die im Zweiten Weltkrieg zum größten Teil zerstört wurde.

Für leicht verwirrte Blicke sorgt wohl bei Besuchern aus nah und fern die evangelische St.-Georgs-Kirche. Sie wurde absichtlich schief gebaut, um den West- sowie Südwestwinden standhalten zu können. Auch Gebäude wie das Bügeleisenhaus aus dem 17. Jahrhundert hat man noch nicht allzu oft gesehen. In der Wahl der gesamten Einrichtung muss man hier als Bewohner früher wohl ziemlich eingeschränkt gewesen sein. Inzwischen ist dort das Heimatmuseum des örtlichen Heimatvereins eingezogen. Ich glaube nicht, dass sich die einzelnen Mitglieder allzu große Gedanken, um die Anordnung der Möbel machen 😉

Wenn wir schon einmal in Hattingen waren, wollten wir auch direkt noch die nah gelegene Burg Blankenstein besuchen. Sie wurde 1227 errichtet und zählte bereits kurze Zeit später zu den vier Hauptburgen der Grafschaft Mark. Heute kann man dort u. a. im burgeigenen Restaurant speisen (laut Karte werden dort auch Ritteressen angeboten) und den Torturm begehen. Bei guten Wetter kann man herrlich über Hattingen und das Ruhrtal blicken. Der Törtchentante ist dieser wunderbare Schnappschuss gelungen (entfaltet leider erst seine volle Wirkung, wenn man das Bild anklickt und vergrößert):

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Einmal im Besichtigungsrausch, ließen die Törtchentante und ich es uns nicht nehmen, auch noch zum Haus Kemnade im Stadtteil Blankenstein weiterzufahren. Meiner Meinung nach eines der schöneren Wasserschlösser in Deutschland. Wir hatten Glück und sind noch kurz vor Ende der Öffnungszeit dort angekommen. So konnten wir noch schnell einen Blick auf die historischen Musikinstrumente werfen. Im Haus Kemnade kann seit einigen Jahren auch geheiratet werden. Bei der schlichten, aber dennoch irgendwie anziehenden Schlosskapelle, die wir im Vorbeigehen ebenfalls betrachten konnten, sowie dem gesamten Drumherum, u. a. der schöne Innenhof, gerät man schon ins Träumen…

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