Kritik: „The Help“ von Kathryn Stockett

© btb Verlag

Vor einiger Zeit drückte mir die Törtchentante mit dem Kommentar „Irgendwie passiert da nicht viel, trotzdem hat mir das Buch sehr gut gefallen“ das Buch „The Help“ (im Deutschen auch unter dem Titel „Gute Geister“ bekannt) in die Hand. Ich hatte bereits von der Verfilmung gehört, war zu dem Zeitpunkt aber noch nicht dazu gekommen, sie mir anzuschauen. Jetzt lag also das Buch vor mir. Die ersten Seiten waren ein wenig gewöhnungsbedürftig, denn Kathryn Stockett — selbst in Mississippi aufgewachsen — versucht den Tonfall der schwarzen Haushaltshilfen nachzuahmen. Doch man gewöhnt sich schnell an die Wörter und Sätze in Umgangssprache.

Die Geschichte spielt in den 1960er-Jahren in einer Kleinstadt in Mississippi. Erzählt wird aus der Sicht der Haushaltshilfen Minny, Aibileen sowie der aufstrebenden (weißen) Nachwuchsreporterin Skeeter. Sie ist es auch, die mehrere Hausangestellte dazu bringt, anonym von ihren Erfahrungen mit ihren Auftraggebern zu berichten. Und so taucht man hinein in eine Welt, in der sich die ruhige und besonnene Aibileen um die Erziehung der kleinen Mae Mobley kümmern muss, da deren Mutter nur wenig mit ihr anfangen kann. Minny, das genaue Gegenteil von Aibileen, erweist sich als unerwartete Stütze für die nur wenig beliebte, leicht prollig und naiv wirkende Celia. An einigen Stellen muss man immer wieder den Kopf schütteln, wenn man sich vorstellt, dass es früher in einigen Haushalten so oder so ähnlich abgelaufen sein muss und wie wenig schwarze Frauen und Männer geachtet wurden. Am besten haben mir jedoch die Stellen gefallen, in denen Skeeter zu Wort kommt. „Mitzuerleben“ wie ihr nach und nach bewusst wird, wie oberflächlich ihre Freundinnen doch eigentlich sind, hat großen Spaß gemacht.

Die Törtchentante hat recht, viel passiert im Buch nicht. Aber das muss auch gar nicht immer sein. Hier geht es vielmehr um den Inhalt und nicht darum, wie viele Leute sterben, wer mit wem eine Beziehung anfängt oder wer die besten Intrigen spinnen kann. Einzig missfallen hat mir die Kuchengeschichte. Ich glaube nicht, dass es jemanden nicht auffallen würde, was und welchen Inhalt er da gerade verspeist. Da hätte sich Kathryn Stockett etwas Besseres einfallen lassen können.

P.S.: Den Film habe ich inzwischen auch gesehen. Doch er hat mir leider gar nicht gefallen (nein, nicht alle Literaturverfilmungen sind per se schlecht). Er war langweilig inszeniert und die Figuren waren total überzeichnet, besonders die der Celia.

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Kathryn Stockett, Gute Geister, erschienen im btb Verlag, € 9,99 [D]

Taschenbuch, Broschur, 608 Seiten, ISBN: 978-3-442-74508-1

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