Höxter — Die Stadt der Fachwerkhäuser

Die Törtchentante und ich waren mal wieder unterwegs, um die weniger touristisch erschlossenen Städte Deutschlands zu erkunden. Nachdem wir bereits Hattingen einen Besuch abgestattet hatten, haben wir dieses Mal die Stadt Höxter im gleichnamigen Kreis angesteuert. Auch in Höxter waren an diesem Tag die Ausmaße des Hochwasser, das zu dem Zeitpunkt noch hoch aktuell war, zu spüren. Wären wir einen Tag früher angereist, hätten wir gar nicht auf dem großen Parkplatz direkt an der Weser parken können, denn auch dort war in den Tagen zuvor das Wasser über die Ufer getreten. Doch wir hatten Glück und sicherten uns einen Platz auf dem kostenlosen Parkgelände.

© alexentdecktdiewelt.wordpress.com

Da wir an einem Samstag unseren Ausflug angetreten hatten, haben wir die Gelegenheit wahrgenommen, uns der öffentlichen Stadtführung anzuschließen, die zwischen Mai und September jeden Mittwoch um 15 Uhr und jeden Samstag um 11 Uhr stattfindet. Die Führung kostet 4 €, dauert knapp eineinhalb Stunden und man bekommt auf unterhaltsame Art und Weise eine Menge zusehen. An allererster Stelle stehen natürlich die zahlreichen Fachwerkhäuser, die sich durch den kompletten Stadtkern ziehen. Besonders auffällig ist die Dechanei aus dem Jahre 1561, die auf dem Marktplatz steht. Sie wurde im für die Stadt typischen Weserrenaissancestil erbaut. Besonders auffällig sind die insgesamt 60 Halbrosetten, von denen keine der anderen gleicht. Hier wurde das in der Renaissance beliebte Muschelmotiv wieder aufgegriffen.

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Der Stadtrundgang führte ebenfalls entlang des Adam-und-Eva-Hauses, hinein in die Kilianikirche mit ihren romanischen Säulen und rund um das historische Rathaus. Auch die Nikolaikirche wurde kurz besichtigt. An die ehemalige Synagoge, die während der Reichsprogromnacht und des Zweiten Weltkrieges stark zerstört wurde, erinnert heute leider nicht mehr viel. Was ich jedoch sehr schön finde, ist die Aktion, dass aus einem der Balken der ehemaligen Synagoge der Rahmen für das Altarkreuz in der Nikolaikirche gemacht wurde. Anschließend sind wir noch ein wenig durch die Stadt flaniert und haben uns alles noch einmal in Ruhe angeschaut. Nach einem leckeren indischen Mittagessen ging es mit dem Auto weiter zum wenige Kilometer entfernten Schloss Corvey, denn dort wartete um 15 Uhr bereits die nächste Rundführung auf uns.

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Trotz des herrlichen Wetters herrschte im Schloss, das sich anschickt UNESCO-Weltkulturerbe werden zu wollen, zum Glück nicht allzu viel Betrieb. Die Führung hätten wir uns aber schenken können. Es wurde zwar auf die wechselvolle Geschichte des Schlosses (es war mal ein Kloster) und seiner Bewohner (u. a. Hoffmann von Fallersleben) eingegangen, doch ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, als ob die Dame noch einen anderen Termin gehabt hätte und daher in Eile gewesen sei. Die Führung war dann auch schon recht schnell wieder vorbei. So richtig Spaß hat das nicht gemacht. Komischerweise musste man neben den 3 € für die Führung noch den Eintritt (5 €) extra zahlen. Eine Fotolizenz, die das Fotografieren für private Zwecke erlaubt, kostet noch einmal einen Euro zusätzlich. Nach der Führung haben die Törtchentante und ich uns die Zeit genommen und sind durch die 15 Buchsäle der Fürstlichen Bibliothek geschlendert, immer auf der Suche nach den Erstausgaben von Jane Austen und den Brontë-Schwestern. Gar nicht so einfach bei 200 Bücherschränken und knapp 36.000 Büchern sowie dem Umstand, dass die Brontë-Schwestern damals noch unter einem Pseudonym (Currer, Ellis und Acton Bell) ihre Geschichten veröffentlicht haben. Doch wir haben es tatsächlich geschafft und haben die Werke zwischen all den Reisebeschreibungen und Geschichtsbüchern entdeckt — mein persönliches Highlight des ganzen Tages!

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